Reise blog von Travellerspoint

Februar 2014

Vom Klettertag zur Schnellstrassenbaustellenbesichtigung

sunny 30 °C
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Heute war der Tag des Abschieds von Valparaiso und wir freuten uns auf ein paar Klettertage in Las Chilcas. Nichts ahnend das es etwas anders kommen sollte, sind wir für lokale Verhältnisse recht zeitig aufgestanden, haben unsere Sachen gepackt und stiegen kurz vor elf in den Bus nach Norden. Während der anderthalbstündigen Busfahrt wurde die Landschaft bergiger, die Vegetation spärlicher und die nicht bebauten Flächen grösser.
Kurz verwundert waren wir, als uns der Beifahrer des Busses zu verstehen gab, das wir nun die von uns angesteuerte Haltestelle in der Nähe von Llaillay erreicht hätten und diese direkt auf der Panamericana lag.

Die Panamericana ist die Gesamtheit der Schnellstraßen, die von Norden nach Süden auf 48000km durch ganz Amerika führen. In dem Streckenabschnitt wo wir uns befanden sind 100km/h erlaubt, woran sich aber wenig gehalten wird.

Wiedereinmal half uns auch der erste Chilene den wir ansprachen sehr zuvorkommend den richtigen Bus ins Zentrum der Kleinstadt zufinden. Das wir hier schon etwas weiter weg vom Strom der Touristen entfernt waren, merkte man an den neugierigen Blicken und dem Fehlen von Personen die der englischen Sprache mächtig sind. Aber das wollen wir ja auch: spanisch sprechen und an Orte gelangen die sich auch fremd anfühlen. Also Essen und Wasser für zwei Tage besorgen, auf ins nächste Restaurant, zur letzten Stärkung das Tagesmenü bestellen (Pollo con Pasta) und erfragen wie man den nach Las Chilcas kommt. Wie empfohlen wenden wir uns an den Fahrer eines der Collectivos. Das der Preis, der uns genannt wird, dafür vielleicht etwas zu hoch ist, realisieren wir erst als wir drin sitzen und der Fahrer das Schild, welches alle Collectivos auf dem Dach haben, abmontiert. Aber egal, es geht ja zum Klettern und dafür lohnt sich das allemal.
Zehn Minuten später stehen wir zum zweiten mal an diesem Tag auf der Panamericana und unser Fahrer erklärt uns, das wir nach der nächsten Kurve, hinter dem Hügel das Klettergebiet finden. Leider finden wir da nicht nur die spannend aussehenden, gut gesicherten Routen in solidem Konglomerat sondern leider auch eine sehr betriebsame Strassenbaustelle. Direkt vor dem ersten Fels stochert gerade ein Bagger scheinbar wenig motiviert in einem Haufen Steine. "Sch@#%e!"
Hier hatten wir also vor zu Campen, zwischen LKWs, Baggern und orange bekleideten, fragend schauenden Arbeitern. Das es direkt neben der Autobahn nicht unbedingt ruhig werden würde, war von vornherein klar gewesen aber dieses an Ungemütlichkeit kaum zuübertreffende Treiben, brachte uns nun dazu unsere Pläne zuverwerfen und weiter zuziehen. Das Problem vor dem wir nun standen, war der Weg zum nächsten Bus.
Hinter uns in Richtung Llaillay lagen jetzt schon einige Kilometer Schnellstrasse und vermutlich war es da ziemlich schwierig jemand zum anhalten zubewegen, der uns hätte zurück bringen können. Aber wie wir aus unsere Internetrecherche wussten, sollte vor uns in Richtung Santiago noch das Dorf Las Chilcas liegen und da sollte es ja auch einen Bus geben. Einer der Arbeiter dem wir danach fragten meinte " Las Chilcas ... laufen? Ja...aber vorsichtig." Also haben wir unsere überschüssigen Wasserreserven entleert und sind entlang der Panamericana nach Süden aufgebrochen. Das Las Chilcas kein Dorf sondern der Pass ist, auf dem wir in diesem Moment standen, haben wir nach einigen Kilometern im Gespräch mit einigen weiteren Arbeitern dann auch gemerkt. Diese waren zwar sehr verwundert und haben uns sogar Wasser angeboten aber fanden den Spaziergang durch eine ca. 5 km lange Schnellstrassenbaustelle wohl weniger ungewöhnlich als wir selbst und hielten uns auch nicht auf. Auch die Sonne lies sich von unseren Bemühungen, einen Zugang zum öffentlichen Personennahverkehr zuereichen, wenig stören und strahlte fröhlich weiter vom wolkenlosen Himmel herab. Zumindest war der grosse Teil des ungewöhlichen Wanderwegs, zur Bushaltestelle am Ende der Baustelle, durch Betonblöcke von den zahlreichen Autos und LKWs getrennt. Es waren am Ende nur ca. 500m die wir wir auf dem Standstreifen laufen mussten und auch nur ca. 200m auf dem auch dieser fehlte. Dann ließ es das Gelände endlich zu die Straße zu verlassen und vorbei an einigen Eukalyptusbäumen die Haltestelle zuerreichen. Wir waren wirklich glücklich als wir unbeschadet im Bus saßen und uns auf den Weg zu unserem nächsten Ziel dem Cajón del Maipo waren.

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Gleich hinter dieser Kurve...Freude...Fels...erwartungsvolle Spannung...
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...ah nein, doch nur ne Baustelle.
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Bester Laune trotz misslicher Lage
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Endlich der ersehnte Hinweis auf das Ende diese Odysee

Eingestellt von broschizzl 10:00 Archiviert in Chile Kommentare (1)

Valparaiso

sunny 32 °C

Die zweite Station unserer Reise erreichen wir nach 2,5 Stunden Busfahrt. Das bunte Valparaiso.
Es gilt als kulturelle Hauptstadt Chiles und gehört zum UNESCO Weltkulturerbe. Valparaiso besteht aus Häuseransammlungen, die sich über 45, zum Meer hin stark abfallende Hügel, erstrecken.
1536 wurde die Stadt mit dem Hafen gegründet und 1818 wurde Valparaiso zum wichtigsten Hafen an der Pazifikküste. Auch Schiffe der Marine liegen hier vor Anker. Allerdings ist es strengstens untersagt die grauen Monster abzulichten.
Valparaiso ist voller Kreativität. Die bunten Häuser und die unzähligen Strassenhunde gehören ebenso zur Stadt wie die vielen Strassenkünstler. Sie jonglieren während der Rotphasen an Ampeln oder auf den vielen Plazas. Andere machen Musik oder führen kurze Theaterstücke auf.
An vielen Ecken stehen kleine Buden die alles mögliche verkaufen, neben Strassenhändlern die jeweils nur ein Produkt feilbieten z.B. Toilettenpapier, Zigaretten oder Schnürsenkel. Valparaiso ist sehr lebendig.
Für die Micros (sowas wie Stadtbusse) existieren keine Fahrpläne und auch Haltestellen sind selten. Wer einsteigen will winkt. Es ist gar nicht so einfach bei diesen Geschwindigkeiten zu erkennen, wohin welche Micro fährt und nicht selten steigt man aus dem noch fahrenden Bus wieder aus. Wenigstens bremsen sie dafür etwas ab. Colectivos (taxiähnliche Autos) sind ein weiteres Fortbewegungsmittel. Sie fahren immer die gleiche Strecke und nehmen jeweils 4 Personen mit. Sind sie voll fahren sie los.
Als wir in Valparaiso ankommen ist die Stadt im Ausnahmezustand. Die Rally Dakar endet heute hier, wie man uns erklaert. Was für ein Spektakel. Dennoch ist unsere Unterkunft schnell gefunden. Wir werden herzlich begrüsst von Javiera und Benjamin. Ein junges Pärchen "muy amable". Dann sind da noch Mocca und Lukas, die beiden ehemaligen Strassenhunde. Sie hatten Glück und fanden hier ein zu Hause. Ausserdem wohnen Josuha aus Australien und Ramon aus Spanien hier. Wir kochen und essen gemeinsam. Wir fühlen uns ein paar Jahre zurück versetzt, WG Leben und zur Schule gehen. Nach einer Woche raucht uns schon ganz schon der Kopf und wir sind froh am Wochenende etwas Abwechslung zu haben.
Gemeinsam mit Ramon und seinen Neurowissenschaftlerfreunden besuchen wir den Nationalpark la Campana. Auf den Spuren von Darwin gehts in glühender Hitze auf den höchsten Berg der Gegend.
Da Benjamin ein grosser Fan von klassischer Musik ist, kommen wir auch in den Genuss der ersten live Mozart Symphonie unserers Lebens. Wer hätte das gedacht? Hier in Chile....
Wir besuchten eines der Häuser des Dichters, Botschafters, Sammlers und Nobelpreistraegers Pablo Neruda. Es ist als Museum für jedermann zugänglich. Viele seiner Sammlerstuecke sind noch im Haus. Fast die komplette zum Meer ausgerichtete Fassade besteht aus Fenstern. Dieser Ausblick ist inspirierend.
Wir verbringen auch zwei tolle Tage am Strand mit Tashi, Lorena, Nyma, Siro und Miguel (unsere Freunde aus der Schweiz). Ausserdem werden wir von Ihnen zum Grillen bei Ihren in Valparaiso lebenden Grosseltern eingeladen. Que bueno asado. WOW! Zwei grosse Grills voll mit Fleisch. Geladen wurden wir auf um Acht. Essen gabs dann aber erst gegen elf. Nur eines der Beispiele an denen wir merken, dass die Zeit hier etwas anders läuft als bei uns in Mitteleuropa. Das haben wir schnell begriffen. Es ist normal, dass man auf einen Freund oder die Micro ne halbe Stunde wartet. Wir schmieden nun Pläne für unsere weitere Reise und lassen uns überraschen was die nächsten Wochen so bringen werden.

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Ein kleiner Teil der Hügel von Valparaiso
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Ein Haus nur für Friseure :)
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Casa Pablo Neruda
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Cerro La Campana - der erste Gipfel
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Aufstieg bei 32 Grad
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Der Hafen
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Seehunde im Hafenbecken

Eingestellt von MichèleS. 13:59 Archiviert in Chile Kommentare (1)

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